Historie

SCC BERLIN Gesamtverein

100 Jahre SCC im Zeitraffer

Es ist eine Art Ironie des Schicksal, dass Sportvereine überwiegend in Kneipen gegründet wurden. Der Name Eckmann’s Tanzinstitut hörte sich allerdings vornehmer an und befand sich im Hause Scharrenstraße 13. Dorthin hatte zum 15. September 1902 der Tambourmajor des Jünglingsverein Trinitatis, Paul Martin, seine 15 Freunde eingeladen, mit denen er drei Wochen zuvor im Innenraum der Radrennbahn Halensee ein Barlaufspiel erlebt und sich dafür begeistert hatte. Das berichtet Carl Rocholl in der Festschrift „50 Jahre SCC“ 1952 und erwähnt dazu: „Der Kurfürstendamm war damals noch Chaussee. Die Wilmersdorfer Straße kreuzte ihn als Feldweg .“ Der Charlottenburger Sport-Club 1902 wurde gegründet, Paul Martin zum Vorsitzenden gewählt und das Wappen in den heimatlichen Farben blau/gelb beschlossen. Zu dieser Zeit ahnte noch niemand, dass die Scharrenstraße später in Schustehrusstraße umbenannt werden würde. So hieß der Charlottenburger Oberbürgermeister, der 1909 dem kurzfristig ohne Sportplatz dastehenden ChSC 02 auf Drängen von Paul Martin kostenlos ein Gelände in Witzleben, an der Stelle des heutigen ICC, zur Verfügung stellte, damit sich der Verein in Eigenarbeit dort einen Sportplatz bauen konnte. Die Mitglieder machten sich in großer Zahl und zielstrebig an die Arbeit und hatten offenbar auch Fachleute in ihren Reihen. Es wurde die erste Aschenbahn mit überhöhten Kurven in Deutschland errichtet, und schon am 8. Mai 1910 fand die Einweihung mit einem großen Sportfest statt.

Das Barlaufspiel, von dem man schon längst die Regeln nicht mehr kennt, war zwar anfangs der Mittelpunkt des Vereinsgeschehens, aber als am 17. Juli 1904 das Clubmitglied Uhlmann als Sieger eines 100-m–Vorgaberennens den ersten leichtathletischen Erfolg heimbrachte, gewannen Lauf, Sprung und Wurf immer mehr Anhänger. Doch blieb das Barlaufspiel noch einige Zeit Schwerpunkt im Club. Dennoch wurden bei der Gründung des Verbandes Berliner Athletik-Vereine (VBAV) am 17. November 1904 Paul Martin zum 2. Vorsitzenden dort und Alfred Frischke in den Athletik-Ausschuss gewählt.

Anfang Oktober 1905 wurde die Jugendabteilung gegründet, in der neben dem Sport auch Wandern nach Art der Pfadfinder und Musik bis zur Orchesterbildung betrieben wurde. 1906 entstand kurzfristig eine Ringerabteilung, und 1907 kam die Eishockeyabteilung dazu. Erst mit der Gründung der Fußballabteilung 1908 wurde das Barlaufspiel aufgegeben. Auch die Hockeyabteilung wurde 1908 gegründet.

Ein wichtiger Schritt vorwärts war am 10. Juni 1911 die Vereinigung mit dem Sport-Club Westen 05, der sportlich stark aber plötzlich ohne Sportplatz war und mit dem Sprinter Richard Rau, dem Geher Carl Brockmann, der aus Hamburg stammte, und anderen schon erfolgreichen Athleten neuen Auftrieb brachte. Unter dem neuen Namen Sport-Club Charlottenburg und dem Markenzeichen des schwarzen C auf weißem Grund wurde der Club richtig erfolgreich. Schon für das Jahr 1912 sind im Festbuch 1922 131 erste, 66 zweite und 40 dritte Preise genannt.


 Schwere Zeiten

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges brachte den gesamten Sportbetrieb fast zum Erliegen, aber mit der Zeit lief es wieder mit Einschränkungen und Unsicherheit. Alten Berichten zufolge hatte die SCC-Jugendabteilung im Frühjahr 1914 fast 500 Mitglieder, 1919 nur noch 78, aber zu Beginn 1920 schon wieder 520. Kaum hatte man im Club 1919 aufgeatmet, als Schatzmeister Alfred Frischke verkündet hatte, dass der Club die alten Lasten aus dem Sportplatzbau 1908 los und jetzt schuldenfrei sei, kamen 1922 mit der Inflation neue Sorgen. Für Februar 1923 wurden für das zweite Quartal 2000 und für das dritte Quartal 6000 Mark als Beitrag gefordert, aber schon am 1. Juli 1923 mussten die 6000 auf 20.000 Mark erhöht werden, für drei Millionen konnte man lebenslänglich Mitglied werden. Das kostete ab dem 1. September 1923 nur noch 25 Reichsmark und der Monatsbeitrag nur 50 Pfennig. In den hundert Jahren seines Bestehens hat der SCC fünf Währungen erlebt: Goldmark, Rentenmark, Reichsmark und D-Mark, ab 2002 nun den Euro.

Noch weit mehr Opfer als der erste forderte der zweite Weltkrieg. Wieder hielt der Club durch eine eigene Feldpoststelle Kontakt zu seinen Mitgliedern. Wie damals Karl A. Henk übernahmen ab 1939 Walter Blume und Theo Pohle die Leitung der Betreuergruppe, die im Herbst 1943 Kontakt zu 957 Soldaten hielt. Der totale Zusammenbruch 1945 führte u.a. auch zur Viermächteverwaltung und später zur Teilung Berlins und 1948/49 zur Abschnürung West-Berlins. Alle Vereine wurden 1945 verboten. Sport war nur eingeschränkt erlaubt und konnte nur kommunal geordnet betrieben werden. Dabei hatte der SCC noch etwas Glück, weil er den Namen seines Heimatbezirks trug und nun unter Sportgruppe Charlottenburg starten konnte. Zu Pfingsten 1947 war zum Treffen auf der Tribüne des Mommsenstadions aufgerufen worden und sehr viele alte Mitglieder kamen. Die Wiederzulassung der Vereine und damit auch des SCC konnte erst nach der politischen Teilung Berlins im April 1949 verwirklicht werden.


Wandel in den letzten 30 Jahren

Als 1952 das 50-jährige Bestehen des SCC gefeiert wird, gibt es nach dem 320 Seiten starken Buch über die Zeit von 1902 bis 1922 eine Jubiläumsschrift, die zwar nur 128 Seiten umfasst, aber doch sehr viele Informationen enthält, wobei Carl Rocholl, der im Club seit 1908 Mitglied ist und vielseitig mitgearbeitet hat, über die Gesamtentwicklung wie auch über die Leichtathletik, den Fußball u.a. berichtet. Die Organisation des Sportbetriebs wie auch Einstellung und Idealismus der Mitglieder ist noch genau so wie in der Vorkriegsepoche. Der Staffellauf Potsdam-Berlin mit nun verkürzter Strecke ist nach wie vor eine Sache aller Mitglieder, der Übungs- und Wettkampfbetrieb läuft in allen Abteilungen wie von früher gewohnt, nur die Insellage West-Berlins schränkt die Möglichkeiten erheblich ein. Unter der Federführung von Hans-Joachim Funke werden 1972 (40 Seiten) und 1977 zum 75-jährigen Bestehen (132 Seiten) Festschriften vorgelegt.

Die letzten 25 Jahre haben dann mit fortschreitendem Kommerz und Professionalismus die Einstellung der Menschen zu ideellen Zielen, zum Amateurgedanken und selbstloser Arbeit, anderen durch Mitarbeit in der Organisation des Sports, als Übungsleiter, Helfer, Kampfrichter usw. ehrenamtlich zu helfen, verändert. Viele neue Sportarten zersplittern das Potenzial der sportlich Interessierten und werden vielfach mehr aus Spaß, zur Unterhaltung und Abwechslung betrieben. Der Wettkampfsport ist rückläufig geworden, seine Spitzenveranstaltungen erfordern von den Akteuren zwar immer höhere Leistungen, werden aber mehr als Zirkus- und Unterhaltungsattraktionen dargeboten. Der Breitensport zur Gesunderhaltung und der oft mit zuviel Ehrgeiz betriebene Senioren-Wettkampfsport füllen die Freizeit vieler aus, die früher in den Vereinen die Voraussetzungen für den Wettkampfsport der Jugend und Erwachsenen geschaffen haben. Als Folge dieser Entwicklung haben die Vereine zu wenig Mitarbeiter zur Betreuung ihrer Mitglieder und zu wenig Geld, um die Kosten für ihren Sport- und Wettkampfbetrieb aufzubringen, zumal auch die Verwaltung zunehmend mehr auf bezahlte Kräfte angewiesen ist.

Zum 90-jährigen Jubiläum konnte eine Festschrift im Umfang von 94 Seiten nur dadurch ermöglicht werden, dass zwei Ausgaben der Clubzeitung zusammengelegt wurden. Schon seit dem Jahre 1911 wird für die Mitglieder eine Clubzeitung herausgegeben, der Ende 1933 der damals zuständige Redakteur, Journalist und Schriftsteller Arthur Ernst Grix den treffenden Namen „ Das Schwarze C“ gab.


100 Jahre auf einen Blick

Zu einem solchen Jubiläum wäre eigentlich ein dekoratives Festbuch fällig, aber wir müssen uns wieder beschränken. Vielleicht will ja auch kaum noch jemand viel über Geschichte, Ereignisse und verdiente Mitglieder über die Jahrzehnte wissen, lieber nur einen gerafften Überblick in Stichworten? Ohne die genannten Festschriften wäre über eine so lange Zeitspanne auch kein leidlich zusammenhängender Rückblick zu geben. Zeitzeugen sind schon für die letzten fünfzig Jahre rar. Die Verantwortlichen in den Abteilungen des Clubs wechseln heutzutage auch häufiger als früher und sind deshalb in Nöten, Berichte über Entwicklung, Höhe- und Tiefpunkte, Erfolge und Bilanzen über einen längeren Zeitraum rückgreifend zu geben.

So hoffen wir, das Interesse unserer Mitglieder und Gäste sowie der Presse und der sonstigen Öffentlichkeit an den vergangenen hundert Jahren unseres – man darf es mit Stolz sagen – weltweit bekannten und angesehenen SCC dadurch zufrieden zu stellen, dass in Stichworten chronologisch geordnet einige Zusammenstellungen über den Club und über seine erfolgreichste  Sparte Leichtathletik angefügt werden. Dazu kommen dann die Berichte der Abteilungen, also der im SCC betriebenen Sportarten.

Möge das schwarze C noch lange ein Symbol für den engagierten Sport-Club Charlottenburg, für fairen Sportgeist und nicht zuletzt für Berlin bleiben!

(Quelle: Das schwarze © / Fritz Steinmetz / 2/2002 - Festausgabe)


Unsere Plätze und Sportanlagen in 100 Jahren

Am Anfang 1902 war an Leichtathletik noch nicht zu denken. Unsere Gründergarde spielte nur Barlauf und das an jedem Sonntag mit zwei, drei Mannschaften auf dem städtischen Spielplatz in der Goethestraße. 1905 wurde in dem kleinen Geräteraum dieses Sportplatzes die Jugendabteilung gegründet, die dann 1919 durch eine Knabenabteilung ergänzt und im gleichen Jahr auf die Frauen- und Mädchenabteilung ausgedehnt wurde.

Inzwischen hatte sich die Leichtathletik endgültig durchgesetzt, und das Barlaufspiel trat mehr und mehr in den Hintergrund. Der Goetheplatz genügte den Ansprüchen nicht mehr, so entstand auf dem Nebengelände der Radrennbahn Steglitz unser erster Athletik-Sportplatz. Am 9. Juli 1907 wurde das erste öffentliche Sportfest des Clubs durchgeführt. Zu Beginn des Jahres 1909 wurde der Sportplatz in Steglitz gekündigt. Es war sehr schwer einen Ersatz aufzutreiben, denn der Spielplatz in der Mollwitzstraße glich eher einem gepflügtem Acker als einem Sportplatz. Für die Leichtathletik war er einfach unbrauchbar. Schon der Sportplatz in Steglitz hatte statt einer Laufbahn nur eine ausgetretene Spur in der Rasenfläche. In der Mollwitzstraße gab es nicht einmal das, dafür aber knöcheltiefen, fliegenden Sand, der die Läufer in dichtem Staub gleich schemenhaft nur ab und zu sichtbar werden ließ. Hier waren keine Leistungsfortschritte zu erarbeiten. Eine tiefe Depression ergriff die Mitglieder, die sich nun den Mannschaftssportarten zuwandten.

Unser Gründer Paul Martin musste nun handeln. In einem Gespräch mit dem damaligen Charlottenburger Oberbürgermeister Schustehrus entwickelte er ihm einen kühnen Plan, den Neubau eines Sportplatzes mit einer Aschebahn mit überhöhten Kurven. Der Oberbürgermeister war begeistert von diesem Plan und genehmigte vorerst dem Club die kostenlose pachtweise Überlassung eines städtischen Geländes in Witzleben zur Anlage eines Sportplatzes.

Der Club hatte alle entstehenden Kosten des Baus usw. selbst zu tragen. Er brach zwar unter der Schuldenlast fast zusammen, aber das Werk gelang. Am 8. Mai 1910 wurde in Gegenwart des Oberbürgermeisters Schustehrus der Sportplatz mit dem ersten internationalen Sportfest des Charlottenburger SC 1902 eingeweiht. Wir hatten damit die erste Aschenbahn mit überhöhten Kurven in Deutschland. Auf diesem Platz, den unsere Mitglieder in unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden mit eigener Händekraft hatten aufbauen helfen, wurde auch unser schlichtes Abzeichen – das schwarze C – zum ersten Mal gezeigt, ehe es weltbekannt wurde.

Dieser neue Platz lag da, wo heute das ICC erbaut worden ist, schräg gegenüber dem Bahnhof Witzleben. Für damalige Verhältnisse war es eine ganz moderne Anlage. Der Clou war eine Duschanlage, ein auf einem 3 m hohen Gerüst verankerter Tank aus dem nach Betätigung einer Reißleine Wasser – kaltes Wasser – zur Reinigung lief. Wie stolz waren unsere Athleten über diese Neuerung.

Inzwischen, im Jahr 1910, wurde auch die Tennisabteilung gegründet. Ihre Mitglieder mussten in den ersten Jahren auf zwei gemieteten Plätzen in der Wexstraße in Schöneberg ihren Sport ausüben. Als die Mitgliederzahl anwuchs, wechselte die Abteilung später auf die Harbig’schen Anlagen am Kaiserplatz, dem heutigen Bundesplatz.

Dann begann der 1. Weltkrieg und ein Kriegsvorstand war emsig bemüht, die noch vom Bau der Sportplatzanlage herrührenden Schulden abzutragen. Nach menschlicher Voraussicht war der Club eigentlich mit dieser Belastung dem Untergang geweiht. Und das Wunder geschieht. Das damalige für die Finanzen verantwortliche Vorstandsmitglied Alfred Frischke steht bei der Generalversammlung 1921 auf und verkündet mit schlichten und doch von innerer Erregung durchzitterten Worten, dass durch vernünftige Wirtschaft es gelungen sei, die Finanzen des Clubs so zu bessern, dass er schuldenfrei an seine Neuorganisation herangehen kann. Das war das Werk Alfred Frischkes, für das ihm der Club ein Leben lang dankbar war. Aufgrund verstärkter Mitgliedseintritte – innerhalb von 14 Tagen erhielten wir 300 Aufnahmegesuche – mussten wir uns ernsthafte Gedanken um unsere Sportanlage machen. Sie reichte nicht mehr aus, denn außer zahlreichen Neugründungen von Abteilungen wie Rugby, Boxen, Fechten und Handball kam es zu Fusionen u.a. mit dem Charlottenburger Fußball Club Union 98. Schnell war die Mitgliederzahl von 3000 übertroffen und stieg Ende 1922 auf 4000. Auf unserer Anlage wurde es immer enger. Es erschien im „Schwarzen C“  folgender Hilferuf:

„Es handelt sich um eine Lebensfrage“ so überschreibt im Januar 1922 Regierungsrat Dr. Victor Böttcher, der damalige 1. Vorsitzende des SCC, seinen Leitartikel. Seit Beendigung des Krieges (1914-1918) ist der Vorstand des SCC unablässig tätig, ein geeignetes Sportgelände zu erhalten. In hundert von Gängen, Eingaben, Besprechungen, Denkschriften und Verhandlungen hat er versucht, die Behörden, Private, den Magistrat der Stadt Charlottenburg dafür zu gewinnen, ihm ein geeignetes Platzgelände zu verschaffen. Umsonst! Vor neun Monaten winkte uns endlich ein Lichtblick. Wir erhielten Kenntnis davon, dass Charlottenburg einen 206.000 qm großen Teil des Exerzierplatzes für Spiel- und Sportzwecke pachten wollte. Unsere Arbeit setzte sofort mit neuen Kräften ein. Selbst ein Gelände zu kaufen oder zu pachten, übersteigt ja unsere Mittel so sehr, dass alleine daran zu denken schon vermessen wäre.

Und doch, am 26. Juni 1926 wurde das neue SCC-Stadion an der Avus feierlich eingeweiht. Der Club verfügte nun über eine 400 m Bahn mit Spielfeld, drei Fußball bzw. Handballplätze, 8 Tennisplätze und einen Hockeyplatz. Das Tribünengebäude hatte über 1.600 Sitzplätze und enthielt Umkleide-, Büro- und Clubräume. Auch dieser Sportplatz war wieder mit tatkräftiger Hilfe von Clubmitgliedern errichtet worden. Die Tribüne hatte der SCC aus eigenen Mitteln erbaut. Wenige Wochen später, am 3. September 1926 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft unseres neuen Stadions der Funkturm, der „Lange Lulatsch“ im Zuge der 3. Funkausstellung feierlich eröffnet.

Am 10. Mai 1927 weihte die Tennisabteilung ihr neues Clubhaus ein, und drei Jahre später wurde den Mitgliedern ein Bild der neuen Sportplatzanlage vorgestellt. Die Mitglieder, bewaffnet mit Schippen, begannen mit dem Ausbau der erwähnten 8 Tennisplätze an der Avus. Dort spielte sich am 11. September 1926 die damalige Weltsensation ab, als Dr. Otto Peltzer die berühmten Läufer Paavo Nurmi und Edwin Wide über 1.500 m in der neuen Weltrekordzeit von 3:51,0 min schlug. Überhaupt, wer weiß heute noch, dass an der Stelle, wo heute die Autobahn aus dem Rathenautunnel herauskommt und Richtung Funkturm hinführt, Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre ein großer Vergnügungspark, der „Lunapark“, als ständige Einrichtung der Metropole Berlin zur Verfügung stand.

Unser Avusplatz nimmt in der SCC-Geschichte den kurzen Zeitraum von nur knapp fünf Jahren ein. Schon bei der Einweihung war bekannt, dass die Messegesellschaft das Gelände für die Erweiterung der Hallen benötigte.

Das SCC-Stadion, später Mommsenstadion, wurde geplant und wieder mit Hilfe unserer Mitglieder erbaut. Im Oktober 1929 konnten wir im „Schwarzen C“ lesen, dass die Arbeiten für den Stadionneubau schon erstaunlich weit gefördert wurden. Als Ersatz für die der Bauausstellung zum Opfer fallende Sportanlage des SCC, unserem Avusplatz, wird angrenzend, nur durch den S-Bahnhof Eichkamp-Heerstraße getrennt, diese neue Anlage errichtet. Am 17. August 1930 wird das Stadion, unsere neue Heimat, mit den umliegenden Anlagen, wie Hockey-, Fußball- und Handballplatz vom Bürgermeister Augustin an den SCC übergeben. Doch aus Geldmangel, damals gab es die sogenannte Böss-Affäre, hatte der Senat keine Möglichkeit weitere Mittel zur Verfügung zu stellen. So entstanden das Hauptgebäude, das Stadion mit Tribüne, doch das geplante Tennishaus und die Tennisplätze wurden nicht gefertigt. Die Tennisabteilung stand also wieder einmal vor dem Nichts. Aber ein gütiges Mitglied pumpte der Abteilung 9.000 DM um zunächst einmal 9 Plätze und die Umzäunung herzustellen. Umgezogen und geduscht wurde im Hauptgebäude. In seiner Einweihungsrede weist der Bürgermeister darauf hin, dass neben den Arbeitern des Bezirksamtes die Mitglieder des Vereins die erforderlichen Erdbewegungen ausführten. „Mit der Schaffung der neuen Sportanlage hat die Stadt einen weiteren hochbedeutsamen Schritt in der Förderung und Zusammenarbeit mit dem SCC getan“ betont der Bürgermeister Augustin.

Dieses Zusammenwirken zwischen Bezirk und unserem Club besteht noch heute. Der bis Herbst 2001 amtierende Bürgermeister Andreas Statzkowski (z.Zt. amtierender Präsident des SCC Berlin) übergab fast genau zum 70. Geburtstag des Stadions eine vollautomatische Anzeigetafel seiner Bestimmung. Überhaupt ist das Stadion und sind die übrigen Anlagen im Laufe der letzten Jahre ständig saniert und modernisiert worden. So wurden zwei Plätze mit Flutlichtanlagen versehen, ein Kunstrasenplatz geschaffen, die Fassade des Hauptgebäudes neugestaltet, die Kunststofflaufbahn überholt und die sanitären Anlagen auf den modernsten Stand gebracht. Unsere Anlage ist eine der leistungsfähigsten der Stadt. Auf dem Gelände des Tennis-Club im SCC steht heute ein komfortables Clubhaus mit modernsten sanitären Anlagen. Den Spielern stehen 13 Plätze und eine Tennishalle zur Nutzung. Eine gelungene, gemütliche und leistungsstarke Restauration steht den Mitgliedern und den Clubgästen zur Verfügung. Ca.

50 m vom Clubhaus der Tennisabteilung hat sich die Hockeyabteilung mit ihrer „Baude“ ein Schmuckkästchen erbaut, das sich in ganz Sport-Berlin größter Beliebtheit erfreut.

Wenn wir auf die Sportanlagen der letzten 100 Jahre zurückblicken und auch an die stark frequentierten Hallen, insbesondere z.Zt. die Sömmeringhalle denken, dann müssen wir sagen, dass wir bis auf kleine Unzulänglichkeiten mit unseren Möglichkeiten zufrieden sind, die wir unseren Mitgliedern bieten können.

(Quelle: Das schwarze © / Heinz Kluth / 2/2002 - Festausgabe) 


Von 20.000 Reichsmark auf 50 Pfennig

So groß war der Unterschied des SCC-Monatsbeitrags zwischen der Festsetzung am 9. Juli und der nächsten am 27. August des Jahres 1923 als Folge des wirtschaftlichen Neubeginns nach dem Höhepunkt der Inflation 1922/23. In der Clubzeitung des SCC vom November 1922 hieß es: „In Anbetracht der dauernd fortschreitenden Geldentwertung hat die Generalversammlung am 8. November einen Beitrag für das Jahr 1922/23 nicht festgelegt, sondern hat den Hauptvorstand und den Verwaltungsausschuss beauftragt, den Beitrag von Vierteljahr zu Vierteljahr der Geldentwertung anzupassen und festzusetzen.“ Mitglieder über 20 Jahre sollten jetzt monatlich 100 RM und ab 1. Januar 1923 schon 200 RM zahlen. Im Februar wurden für das 1. Quartal dann schon 500 RM, für das 2. Quartal 2000 RM und für das 3. Quartal 6000 RM monatlich veranschlagt. Doch das Inflationstempo lief schneller als gedacht und am 9. Juli wurde für das 3. Quartal schon ein Monatsbeitrag von 20.000 RM festgesetzt. Wer nicht so schnell gezahlt hatte, konnte nach der Entscheidung vom 27.8.23 ab 1. September mit monatlich 50 neuen Pfennigen SCC-Mitglied sein. Für Jugendliche im Alter von 16-18 Jahren waren sogar nur 8 Pfennig Monatsbeitrag zu entrichten, von 14/15-jährigen wurden nur 5 Pfennig und von Knaben bis 13 Jahre nur 3 Pfennig Beitrag gefordert. So wertvoll waren auf einmal Mark und Pfennig geworden.

In diesen Jahren konnte man sich sogar mit einmaligen Zahlungen die lebenslange SCC-Mitgliedschaft „kaufen“. Im November 1922 waren dafür 50.000 RM erforderlich, im Februar dann schon das Doppelte und auf dem Höhepunkt der Inflation wurden am 9. Juli als Abgeltung für lebenslanges Mitgliedsrecht 3 Millionen RM gefordert. Ob es wohl heute im SCC noch ein Mitglied gibt, das einst von diesen Angeboten Gebrauch gemacht hat? Oder kennt jemand noch ein Mitglied von früher, das einst auf diese Weise alle künftigen Beitragspflichten abgolt? Nach mehr als 60 Jahren wohl kaum.

(Quelle: Das schwarze © / Fritz Steinmetz / 2/2002 - Festausgabe)