Der Stolz überwiegt

130 Minuten lang zeigten die BR Volleys ein ebenso beherztes wie attraktives Spiel um den Bronzerang gegen Cucine Lube Civitanova. Die Belohnung für diesen bravourösen Kampf gegen den italienischen Meisterschaftsfinalisten blieb nach einer 1:3-Niederlage (27:29, 25:22, 21:25, 21:25) leider aus. Trotz der verpassten Medaille kann die Mannschaft von Cheftrainer Serniotti auf eine ganz besondere Saison in der CEV Champions League zurückblicken, bei deren Abschluss die Berliner auch beim Final Four in Rom ihre internationale Klasse unterstrichen.

2017-04-30

Foto: Conny Kurth


Wie ernst beide Teams dieses kleine Finale nahmen, zeigten die Startaufstellungen. Sowohl Berlin als auch Civitanova begannen in Bestbesetzung, einzige Änderung bei den Hauptstädtern im Vergleich zum Vortag: Sebastian Kühner bekam im Zuspiel den Vorzug gegenüber Tsimafei Zhukouski, ansonsten starteten erneut Robert Kromm, Ruben Schott, Graham Vigrass, Aleksandar Okolic, Paul Carroll und Luke Perry.

Die BR Volleys starteten äußerst schwungvoll und präsentierten sich selbstbewusst. Gefährliche Aufschläge von Graham Vigrass und ein treffsicherer Robert Kromm ergaben eine erste Führung (8:6). Aber Lube wirkte keinesfalls müde nach dem kräftezehrenden Fünf-Satz-Match am Vorabend gegen Perugia. Anders als noch am Samstag zahlte sich das hohe Risiko am Aufschlag aus (10:12, 13:16). Doch der Deutsche Meister blieb auf Augenhöhe, Kühner dirigierte sein Team gekonnt zum Ausgleich (18:18) und der Block von Kromm gegen Juantorena ließ die 100 mitgereisten "7. Männer" jubeln (21:20). Carroll legte direkt nach und Berlin erspielte sich so zwei Satzbälle (24:22). Nachdem diese sowie drei weitere von Lube nervenstark abgewehrt wurden, nutze Sokolov die erste Chance eiskalt zum Satzgewinn für die Italiener (27:29).

Beide Kontrahenten schenkten sich weiterhin nichts und ein hervorragend aufgelegter Paul Carroll hielt die Männer in Orange auf Kurs (8:7). Das packende Match wog hin und her. Erst platzierte Aleksandar Okolic ein Ass zum Break (13:11), dann schlug Lube zurück und zwang Serniotti zur Auszeit (17:18). Daraufhin drehten die Berliner in Person von Kühner wieder auf. Ein Block, ein abgezockter Leger und ein herrliches Zuspiel auf Carroll ohne Block - so lagen die BR Volleys gegen Satzende knapp vorn (22:20). Nun trat der Regisseur zum Aufschlag und das Resultat waren vier Satzbälle (24:21). Nach Fehler von Cebulj hatte der Deutsche Meister endlich den so verdienten Satzgewinn in der Tasche (25:22).

Die erste richtige Schwächephase der Berliner wusste Civitanova eiskalt zu nutzen, schnell lag man im dritten Durchgang deutlich zurück (5:8, 6:11). Mehrfach stellte das Team von Coach Roberto Serniotti mit schönen Blockpunkten den Anschluss her (12:14, 14:16, 19:21), doch letztlich setzte sich die Klasse von Lube durch. Juantorena war weder im Angriff noch im Aufschlag zu stoppen (19:24) und drosch den Ball abschließend aus dem Rückraum zum Satzerfolg (21:25).

Die BR Volleys kämpften nun sichtbar darum, mit dem kraftvollen Spiel des Gegners mitzuhalten und hatten auch mit den Schiedsrichterentscheidungen wenig Glück (5:8). Carroll war aber weiterhin kaum zu stoppen, griff mal krachend, mal überlegt an und blockte auch noch erfolgreich (12:10). Nach der zweiten technischen Auszeit servierte Schott das so wichtige Ass zum Break (18:16) und einmal mehr veredelte Okolic im Block die starke Phase (21:18). Es folgte der Auftritt von Osmani Juantorena, der im richtigen Moment überragend aufschlug. Dem war die Berliner Annahme nicht mehr gewachsen. Zweimal scheiterte Carroll aus schwieriger Position am Dreierblock (21:23). Juantorena gab nicht nach und schlug den Servicewinner zum Matchgewinn (21:25) .

Der Zwiespalt zwischen der verpassten Medaille und dem Stolz auf die eigene Leistung war BR Volleys Kapitän Robert Kromm nach dem mehr als zweistündigen Schlagabtausch anzumerken: "Zum Schluss hat es in der Annahme nicht mehr funktioniert. In diesen Momenten hat man einfach die Klasse von Juantorena gesehen, der eben in solchen Situationen zur Stelle ist. Wir haben das gesamte Match lang gekämpft und immer wieder versucht, heranzukommen. Wir dürfen mit dieser Champions-League-Saison zufrieden sein, auch wenn wir uns den Traum von Bronze nicht erfüllt haben. Diese Auftritte in Europa haben uns als Spieler, Mannschaft und gesamten Verein vorangebracht."

Zuspieler Sebastian Kühner lobte sein Team: "Klar ist die Enttäuschung groß, jetzt mit leeren Händen nach Hause zu fahren. Einzeln betrachtet waren das zwei sehr gute Spiele von uns. Wir haben absolut bewiesen, dass wir hierhin gehören. Wir müssen diese Leistung jetzt auch in der Meisterschaft abrufen, dann bin ich optimistisch, dass wir diese Saison noch gut abschließen." Ein würdiger Abschluss der Königsklasse ist den BR Volleys beim Final Four in Rom jedenfalls gelungen.