Die Comeback-Könige schlagen erneut zu

Die BR Volleys und ihre Fans feierten am Mittwochabend den nächsten sensationellen Tiebreak-Sieg in der europäischen Königsklasse. Vor der Kulisse von mehr als 5.000 euphorischen Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle glückte den Berlinern auch gegen Dynamo Moskau eine fulminante Aufholjagd. Im Hinspiel des Playoff-Six der CEV Champions League drehte der Deutsche Meister ein schon verloren geglaubtes Spiel gegen die "Russischen Riesen" in einen 3:2-Erfolg (23:25, 22:25, 25:18, 25:19, 15:10) und darf somit weiter vom großen Final Four in Rom träumen.

2017-04-05

Foto: Eckhard Herfet


Cheftrainer Roberto Serniotti hat offensichtlich pünktlich zum heißen Saisonendspurt seine Stammformation gefunden und begann gegen Dynamo Moskau mit Aleksandar Okolic und Graham Vigrass im Mittelblock, Diagonalangreifer Paul Carroll, Tsimafei Zhukouski als Zuspieler, den Außenangreifern Robert Kromm und Ruben Schott sowie Libero Luke Perry von Beginn.

Dynamo zeigte nur kurz Anpassungsschwierigkeiten im Volleyballtempel und hielt die BR Volleys zunächst abgebrüht in Schach. Früh wurde aber klar, dass Einer in Orange an diesem Abend viel vor hatte: Paul Carroll. Der "Man from Downunder" glänzte in der Abwehr, schmetterte präzise und lieferte anschließend ein Ass (10:8). Kapitän Kromm schob sofort eine Aufschlagserie nach und beim Favoriten lagen die Nerven kurzzeitig blank (Rot für Kapitän Grankin 14:9). Aber die mit russischen Nationalspielern gespickte Mannschaft meldete sich pünktlich zur Crunchtime zurück (20:20). Serniotti brachte per Doppelwechsel Sebastian Kühner und Wouter ter Maat ins Spiel. Die Berliner agierten jedoch glück- und kopflos und gaben den Auftaktsatz knapp ab (23:25).

Das russische Starensemble erwies sich weiterhin als der erwartet schwere Brocken. Durchschlagskräftig im Angriff und stark im Block legte die Mannschaft von Trainer Yury Marichev immer wieder vor (6:8, 12:14). Mit Steven Marshall als Verstärkung in der Annahme und guter Blockarbeit durch Vigrass und Okolic konnten die Hausherren zwar unter ohrenbetäubendem Jubel ausgleichen (20:20), doch wieder schlug sich der Gastgeber mit einigen unnötigen Aktionen am Satzende quasi selbst (22:25).

Kromm kehrte nun zurück und mit stoischer Gelassenheit blieben die Russen ihrer Linie treu (3:5). Spätestens jetzt waren die Comeback-Qualitäten der BR Volleys gefragt: Schott servierte gefährlich und Perry warf sich in der Abwehr in jeden Ball (12:8). Es keimte Hoffnung auf beim "7. Mann", weil die Berliner jetzt konsequent am Drücker blieben (15:10). Als die Moskauer Gegenwehr wieder zunahm, waren erst Kromm (20:16) und dann Okolic (23:17) im Block zur Stelle. Der Serbe war es auch, der kurze Zeit später den Satzball zum Anschluss platzierte (25:19).

Im folgenden Durchgang kam Felix Fischer unter tosendem Applaus des Berliner Publikums zu seinem letzten Champions-League-Heimspiel. Mit dem Urgestein auf dem Parkett und Zhukouski am Aufschlag nahmen die Serniotti-Schützlinge sofort wieder Rhythmus auf (8:7). Carroll strotzte vor Selbstvertrauen und ließ sich von Nichts und Niemandem aus der Bahn werfen - Punkt um Punkt sammelte der Co-Kapitän (16:11). Sein Block sorgte für die Vorentscheidung (22:14) und sein Ass setzte dem Ganzen die vorläufige Krone auf (25:18). Die russischen Riesen wankten und der Volleyballtempel fieberte dem nächsten Tiebreak entgegen!

Die Sternstunde von Carroll setzte sich fort und Dynamo fand kein Mittel mehr gegen die Nummer Zwölf im BR Volleys-Trikot (3:0, 8:5). Nach dem Seitenwechsel baute Zhukouski per Block die Führung aus und Fischer servierte ein Ass dazu (10:5). Mannschaft und Publikum witterten die Sensation und ließen sich diese große Möglichkeit nicht mehr nehmen. Selbstverständlich beendete der umjubelte Matchwinner aus Australien einen denkwürdigen Champions-League-Abend höchstpersönlich (15:10).

Paul Carroll zeigte sich nach dem Match stolz auf sein Team: "Ausschlaggebend für den Sieg war am Ende die Aufschlagqualität. Die Russen schwächelten und wir entwickelten großen Druck. Das gab uns Rhythmus und der ist im Volleyball bekanntlich wichtig. In der Block-Abwehr haben wir dann als Mannschaft richtig stark gekämpft und uns am Ende belohnt." Und auch Manager Kaweh Niroomand sprach im Anschluss von einem besonderen Spirit: "Ein sensationeller Sieg. Ehrlich gesagt habe ich damit kaum noch gerechnet. Heute war die Moral aus dem Triple-Jahr erkennbar. Die Einstellung und das Kämpferherz sind zurück. Die Atmosphäre vor dieser Kulisse tat ihr Übriges. Unsere Spieler dürfen stolz sein."

Stolz ja, aber nicht zufrieden, denn der 3:2-Heimerfolg soll noch nicht alles gewesen sein. In der kommenden Woche wollen Kapitän Robert Kromm und sein Team beim Rückspiel in Moskau noch einmal alles geben, den Favoriten erneut in Bedrängnis bringen und die Sensation vollenden. Bevor sich die Berliner dieser enormen Herausforderung stellen, muss das BR Volleys Team in der Volleyball Bundesliga jedoch erst einmal eine ganz andere Aufgabe meistern. Am Samstagabend (08. April um 18.30 Uhr) trifft man in der Max-Schmeling-Halle im Playoff-Halbfinale auf die United Volleys Rhein-Main und wird auch hier eine Energie- und Bestleistung benötigen, um mit einem Sieg in die "best of three"-Serie um den Finaleinzug zu starten.

Tickets für diesen nächsten Saisonhöhepunkt der BR Volleys gibt es auf www.br-volleys.de/ticketshop