Ein anderes Gesicht des Starensembles

Am letzten Spieltag der Gruppenphase in der 2017 CEV Champions League reisten die BR Volleys zum italienischen Tabellenführer Cucine Lube Civitanova. Anders als noch im Hinspiel musste man diesmal die bestechende Form des europäischen Starensembles anerkennen und unterlag chancenlos mit 0:3 (14:25, 23:25, 15:25). Trotz der Niederlage zieht der Hauptstadtclub als bester aller Gruppenzweiten in die Playoffs der Königsklasse ein, die am Freitag in Luxemburg ausgelost werden.

2017-03-01

Foto: CEV


Cheftrainer Roberto Serniotti stellte im Kampf um den Gruppensieg folgende Startformation auf: Kapitän Robert Kromm, Graham Vigrass, Aleksandar Okolic, Ruben Schott, Tsimafei Zhukouski, Wouter ter Maat und Luke Perry.

Die vor Selbstvertrauen strotzenden Gastgeber zogen von Beginn an ihr kraft- und druckvolles Spiel auf und ließen auch im Sideout nichts anbrennen (5:8). Zwar holten sich die Berliner mit Zhukouski am Service schnell zwei Breakpunkte zurück, aber der Druck auf die Annahme der Hauptstädter war immens. Ganz anders als noch im Hinspiel trafen Superstar Osmany Juantorena und Co. nahezu jeden Aufschlag und dominierten den ersten Satz (11:16). Neben dem eingebürgerten Kubaner erwischte auch der in Berlin noch schwächelnde Tsvetan Sokolov einen bärenstarken Tag und punktete fast nach Belieben (14:23). Nachdem ter Maat geblockt wurde, ging der erste Durchgang haushoch an die Italiener (14:25).  

Im zweiten Spielabschnitt schlug der Deutsche Meister den italienischen Tabellenführer zunächst mit seinen eigenen Waffen, den Aufschlägen (7:5), aber eine erfolgreiche Challenge von Lube-Coach Blengini wendete das Blatt (8:9). Nun wackelte der BR Volleys Annahmeriegel wieder gewaltig und Serniotti wechselte den erst 19-jährigen Egor Bogachev ein. Die Feuertaufe des Junioren-Nationalspielers gegen eines der besten Teams der Welt brachte vorerst leider auch keine Sicherheit ins Spiel der Hauptstädter (9:16). Bis zum Satzende sammelten die Berliner zwar noch einige Breakpunkte, dennoch sah man sich wenig später sechs Satzbällen gegenüber (18:24). Routinier Felix Fischer war mittlerweile auf dem Parkett und die verletzungsgebeutelten Gäste zeigten zumindest Moral. Nach einem Vigrass-Block waren fünf Satzbälle entschärft, aber dann bewies Sokolov seine ganze Klasse und schlug knallhart die Linie herunter (23:25).

Jetzt waren die 15 mitgereisten Anhänger des Fanclubs "7. Mann" gefordert und kämpften lautstark gegen die unterhaltsamen Fangesänge der Tifosi sowie eine Feuerwehrsirene an, die regelmäßig bei Aufschlägen und Zuspielen der Männer in Orange eingespielt wurde. Nachdem der Start in den dritten Satz misslang (1:5), zog Serniotti seinen letzten Pfeil aus dem Köcher: Paul Carroll kam für ter Maat. Der amtierende CEV-Cup-Sieger wehrte sich nach Kräften, aber mit Clemen Cebulj hatten die Italiener einen weiteren glänzend aufgelegten Außenangreifer in seinen Reihen, der allein fünf Asse schlug (8:16). Es ging dahin, weil auch der Block um Lube-Kapitän Dragan Stankovic auftrumpfte (14:24). Micah Christenson verwandelte den zweiten Matchball gekonnt per Zuspiel-Finte (15:25).

Auch wenn die BR Volleys nicht ihren besten Tag erwischten, mussten sie die Leistung von Civitanova letztlich neidlos anerkennen. So zollte Mittelblocker Fischer dem Kontrahenten Respekt: "Ihre Qualität im Aufschlag war heute erdrückend. Darauf hatten wir keine passenden Antworten. Als wir endlich im Spiel waren, brachte uns die erfolgreiche Challenge im zweiten Satz aus dem Rhythmus. Trotz Kampfgeist kamen wir heute nicht an unseren Leistungszenit heran und Lube war schlichtweg richtig stark." Am Sonntagnachmittag (05. März um 14.30 Uhr) müssen die Berliner wieder ein anderes Gesicht zeigen, denn dann misst man sich mit dem aufgrund einer 2:3-Niederlage gegen Paris Volley aus der Königklasse ausgeschiedenen VfB Friedrichshafen um Platz eins der Bundesliga-Hauptrunde.